Zurück zur SpVgg Fürth: Mitglieder entscheiden über historischen Vereinsnamen

30 Jahre nach der Umbenennung könnte die Spielvereinigung Greuther Fürth wieder ihren ursprünglichen Namen erhalten. Am 8. November entscheiden die Vereinsmitglieder über die Rückkehr zur SpVgg Fürth. Vorausgegangen ist eine jahrelange Kampagne aus der aktiven Fanszene, die inzwischen weit über Fürth hinaus Unterstützung erhält. Mit einer Crowdfunding-Aktion sammelten die Anhänger mehr als 200.000 Euro. Doch für die Rückbenennung ist eine Dreiviertelmehrheit erforderlich.
Zurück zur SpVgg Fürth? Am 8. November entscheidet sich die Zukunft des Vereinsnamens
Für die Anhänger der Spielvereinigung Fürth steht eine richtungsweisende Entscheidung bevor. Am Sonntag, den 8. November 2026, findet um 11 Uhr im Sportpark Ronhof eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Einziger zentraler Anlass ist die mögliche Rückbenennung des Vereins von „SpVgg Greuther Fürth“ in „SpVgg Fürth“.
Damit könnte ein seit 30 Jahren bestehender Namenszusatz verschwinden. Seit 1996 trägt das Kleeblatt offiziell den Namen Spielvereinigung Greuther Fürth. Vorausgegangen war der Beitritt der Fußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth.
Für die Rückbenennung ist eine Dreiviertelmehrheit der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder erforderlich. Präsidium, Aufsichtsrat, Wirtschaftsbeirat und Ehrenrat haben angekündigt, die Abstimmung neutral zu begleiten und keine Empfehlung für oder gegen die Namensänderung auszusprechen.
Die Mitglieder entscheiden damit selbst, ob der Verein künftig wieder unter seinem historischen Namen auftreten soll.
1996: Wie aus der SpVgg Fürth die SpVgg Greuther Fürth wurde
Die Geschichte der Spielvereinigung Fürth reicht bis zum 23. September 1903 zurück. Mit den deutschen Meisterschaften von 1914, 1926 und 1929 gehörte der Verein zu den erfolgreichsten deutschen Fußballclubs der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
In den folgenden Jahrzehnten verlor die Spielvereinigung jedoch zunehmend an sportlicher Bedeutung. Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga 1983 spielte der Verein zeitweise nur noch viertklassig. Hinzu kamen erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Eine neue Perspektive eröffnete sich Mitte der 1990er-Jahre durch den TSV Vestenbergsgreuth.
Der Verein aus dem mittelfränkischen Vestenbergsgreuth hatte sich bis in die Regionalliga Süd vorgearbeitet und 1994 mit einem 1:0-Erfolg gegen Bayern München in der ersten Runde des DFB-Pokals bundesweit Aufmerksamkeit erregt.
Im Oktober 1995 stimmten die Mitglieder der Spielvereinigung Fürth dem geplanten Beitritt der Fußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth und der damit verbundenen Namensergänzung zu. 1996 wurde die Vereinbarung umgesetzt.
Der neue Name lautete fortan SpVgg Greuther Fürth. Unter der maßgeblichen Führung von Helmut Hack gelang bereits 1997 der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Es folgten Jahrzehnte im Profifußball und die Bundesliga-Aufstiege 2012 und 2021.
Die sportliche Entwicklung nach 1996 gehört heute ebenso zur Vereinsgeschichte wie die drei deutschen Meisterschaften vor dem Zweiten Weltkrieg.
Warum die Fans das „Greuther“ ablehnen
Der neue Vereinsname war innerhalb der Fürther Anhängerschaft von Beginn an umstritten.
Insbesondere Teile der aktiven Fanszene hatten Schwierigkeiten, sich mit dem Zusatz „Greuther“ und dem damals veränderten Vereinswappen zu identifizieren.
Im neuen Emblem war neben dem traditionellen Kleeblatt auch der rot-schwarze Holzschuh des TSV Vestenbergsgreuth vertreten. Aus Sicht der Kritiker verlor das Kleeblatt dadurch einen Teil seines bisherigen Erscheinungsbildes.
Die Forderung nach einer Rückkehr zum ursprünglichen Namen entstand deshalb bereits kurz nach der Umbenennung. Auch spätere Veränderungen am Erscheinungsbild des Vereins beendeten die Diskussion nicht. Seit 2007 verwendet die Spielvereinigung wieder verstärkt das traditionelle Kleeblatt-Rundlogo.
Die Kampagne verweist außerdem darauf, dass der Verein im Sprachgebrauch vieler Anhänger weiterhin als „Spielvereinigung“, „Kleeblatt“ oder schlicht „Fürth“ bezeichnet werde.
Der Namenszusatz „Greuther“ sei nach Auffassung der Initiative auch nach drei Jahrzehnten nicht zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Fürther Fanidentität geworden.
Die Befürworter verlangen deshalb eine einheitliche Außendarstellung mit dem Vereinsnamen SpVgg Fürth und dem Kleeblatt als Wappen.
Aus der aktiven Fanszene entsteht eine vereinsweite Kampagne
Die heutige Initiative „Zurück zur SpVgg Fürth“ entstand 2018 aus dem Umfeld der aktiven Fanszene.
Die Forderung selbst ist deutlich älter. Bereits die Ultras Fürth und später die Sportfreunde Ronhof sowie nachfolgende Ultragruppen hatten sich gegen den Namenszusatz ausgesprochen. Mit der neuen Kampagne sollte das Anliegen über die organisierte Fanszene hinausgetragen werden.
Dazu gehörten Informationsveranstaltungen, Flugblätter, Aktionen im Stadion und in der Stadt sowie eine eigene Internetseite. Unter dem Motto „Tradition als Chance“ verbindet die Initiative die Rückbenennung mit weiteren Zielen. Dazu gehören eine stärkere Identifikation mit dem Verein, die Gewinnung neuer Mitglieder und zusätzliche Mitbestimmungsmöglichkeiten.
Nach eigenen Angaben wird die Kampagne inzwischen von rund 40 Fanclubs und Gruppen unterstützt. Neben Mitgliedern der aktiven Fanszene beteiligen sich auch langjährige Anhänger, Unternehmen sowie Personen aus dem kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt.
Die Initiative sieht die Rückbenennung ausdrücklich nicht als Abkehr von der sportlichen Entwicklung seit 1996. Auch die Verdienste des TSV Vestenbergsgreuth und von Helmut Hack werden von den Initiatoren anerkannt.
Die Unterstützung für den damaligen Beitritt und die spätere Forderung nach dem ursprünglichen Vereinsnamen werden von der Kampagne nicht als Widerspruch betrachtet.
Die Fürther Fanszene und der Kampf um den Vereinsnamen
Die organisierte Fanszene des Kleeblatts ist seit Jahrzehnten auf der Nordtribüne des Ronhofs beheimatet.
Zu den prägenden Gruppierungen der jüngeren Geschichte gehören unter anderem die Ultras Fürth, die Sportfreunde Ronhof und die Horidos 1000. Auch weitere Gruppen und Fanclubs beteiligen sich an der aktiven Fankultur. Der Widerstand gegen den Namenszusatz „Greuther“ zieht sich durch mehrere Generationen dieser Fanszene.
Neben Spruchbändern und Choreografien wurde das Thema immer wieder in Fanzines, auf Internetseiten und bei vereinsinternen Diskussionen aufgegriffen. Die Kampagne „Zurück zur SpVgg Fürth“ entwickelte daraus eine längerfristige Strategie, bei der die Mitgliedschaft im Verein eine zentrale Rolle spielt.
Denn eine Rückbenennung lässt sich nicht durch Protestaktionen auf den Rängen beschließen. Die Entscheidung liegt bei der Mitgliederversammlung des eingetragenen Vereins.
Eine wichtige Voraussetzung wurde bereits 2022 geschaffen. Damals stimmten die Mitglieder für eine Überarbeitung der Vereinssatzung. Zuvor galt für Änderungen des Vereinsnamens eine besonders hohe Zustimmungshürde. Zudem verfügte der TSV Vestenbergsgreuth als juristische Person über einen Stimmenanteil von 20 Prozent.
Mit der Satzungsänderung wurde diese Regelung verändert. Seither besitzt der TSV Vestenbergsgreuth als juristische Person nur noch eine Stimme. Für eine Änderung des Vereinsnamens ist nun eine Dreiviertelmehrheit der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder erforderlich. Damit wurde eine Rückbenennung auch ohne die frühere besondere Zustimmungshürde möglich.
Unterstützung aus ganz Deutschland: Spruchbänder für die SpVgg Fürth
Die Kampagne erhält seit Jahren Unterstützung von Fanszenen anderer Vereine.
Bei verschiedenen Begegnungen wurden Spruchbänder mit der Forderung „Zurück zur SpVgg Fürth“ gezeigt. Die Botschaft richtet sich dabei nicht gegen die Fürther Mannschaft, sondern unterstützt das Anliegen der Rückbenennung. Die Initiatoren verweisen zudem auf die Unterstützung durch überregionale Fanszene-Magazine und Berichte in Fanzines.
Die überregionale Unterstützung ist auch Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Initiative. Ihr Anliegen wird dadurch regelmäßig bei Spielen sichtbar, an denen die Fürther Fanszene nicht selbst beteiligt ist.
Mehr als 200.000 Euro: Fans finanzieren die Rückbenennung mit
Eine der größten Herausforderungen für die Initiative sind die finanziellen Folgen einer möglichen Namensänderung.
Eine Rückbenennung betrifft nicht nur die Vereinssatzung und die Eintragung im Vereinsregister. Auch Beschilderungen, Trikots, Fanartikel, Geschäftsausstattung, Kommunikationsmittel und zahlreiche weitere Bereiche müssten angepasst werden.
Um einen Teil dieser Kosten zu finanzieren, startete die Kampagne am 4. September 2026 ein sogenanntes „CrowdFANding“ auf der Plattform Startnext.
Die erste Zielmarke lag bei 100.000 Euro. Anschließend sollte die Sammlung auf 150.000 Euro ausgeweitet werden. Beide Ziele wurden bereits vor dem offiziellen Ende der Kampagne erreicht. Als die Sammlung am 25. Oktober endete, waren nach Angaben der Projektseite 202.160 Euro zusammengekommen. Damit übertraf das Ergebnis die ursprüngliche Zielmarke von 100.000 Euro um mehr als das Doppelte.
Die Initiative hatte die Aktion mit verschiedenen Gegenleistungen und Veranstaltungen verbunden. Dazu gehörten Fanartikel, besondere Erlebnisse rund um die Vereinsgeschichte und die Möglichkeit, sich mit dem eigenen Namen oder dem Logo eines Fanclubs an einem geplanten Fliesenmosaik im Ronhof zu beteiligen. Die gesammelten Mittel sollen dazu beitragen, die finanziellen Belastungen einer möglichen Rückbenennung zu reduzieren.
Verein rechnet mit Kosten von bis zu 486.000 Euro
Im Vorfeld der Mitgliederversammlung hat die Vereinsführung umfangreiche Unterlagen zu den wirtschaftlichen und organisatorischen Folgen einer Namensänderung veröffentlicht.
Darin beziffert das Präsidium die voraussichtlichen Gesamtkosten auf 401.000 bis 486.000 Euro.
Zu den größten Positionen gehören die Umstellung von Textilien und Fanartikeln mit geschätzten 130.000 bis 215.000 Euro sowie Maßnahmen rund um den Markenauftritt mit etwa 146.000 Euro.
Für die Beschilderung von Gebäuden werden rund 70.000 Euro veranschlagt. Hinzu kommen Personalaufwand und Kosten der außerordentlichen Mitgliederversammlung.
Die Rückbenennung würde sowohl den eingetragenen Verein als auch die ausgegliederte Profifußballgesellschaft betreffen.
Das Präsidium weist darauf hin, dass mögliche Erstattungsansprüche der Profifußballgesellschaft gegenüber dem Verein entstehen könnten. Deshalb müsse eine tragfähige Finanzierung sichergestellt werden.
Die Initiative hat dazu einen eigenen Finanzierungsvorschlag vorgelegt.
Neben dem Crowdfunding verweist sie auf zusätzliche Mitgliedsbeiträge, mögliche Erlöse durch Sondertrikots und Fanartikel sowie Einsparungen bei der Umsetzung des neuen Erscheinungsbildes.
In den offiziellen Unterlagen werden diese erwarteten Beiträge und wirtschaftlichen Effekte mit insgesamt 490.000 bis 510.000 Euro angegeben.
Allerdings handelt es sich dabei nicht ausschließlich um bereits gesicherte Mittel. Das Präsidium betont, dass sich künftige Mitgliedsbeiträge und Merchandising-Erlöse nicht zuverlässig vorhersagen lassen.
Die tatsächlich abgeschlossene Crowdfunding-Sammlung bildet somit nur einen Teil des Finanzierungskonzepts.
Helmut Hack spricht sich gegen die Rückbenennung aus
Zu den bekanntesten Gegnern einer Namensänderung gehört der frühere Vereinspräsident und Geschäftsführer Helmut Hack.
In einer schriftlichen Stellungnahme an die Mitglieder spricht er sich für die Beibehaltung des Namens SpVgg Greuther Fürth aus.
Hack erinnert darin an die schwierige sportliche und wirtschaftliche Situation des Vereins vor 1996. Aus seiner Sicht war der Beitritt der Fußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth die Grundlage für den anschließenden Aufstieg in den Profifußball. Er verweist auf die sportlichen Erfolge, die wirtschaftliche Stabilisierung und die Entwicklung des Ronhofs in den vergangenen drei Jahrzehnten. Zugleich würdigt Hack ausdrücklich die Verbundenheit derjenigen Anhänger, die sich für eine Rückkehr zum ursprünglichen Namen einsetzen.
Er verbindet mit „SpVgg Greuther Fürth“ jedoch eine gemeinsame Vereinsgeschichte, die seit 1996 entstanden sei und aus seiner Sicht auch künftig im Namen sichtbar bleiben sollte. Die Vereinsführung selbst nimmt keine Position für oder gegen die Rückbenennung ein. In ihrer Stellungnahme erkennt sie sowohl mögliche Chancen für die Identifikation und Mitgliederbindung als auch wirtschaftliche und organisatorische Risiken an.
Was passiert bei einer erfolgreichen Abstimmung?
Sollten mindestens 75 Prozent der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder für den Antrag stimmen, wäre der Weg für die Rückbenennung des eingetragenen Vereins frei. Die Initiative hat bereits einen Zeitplan für die anschließende Umsetzung vorgeschlagen.
Demnach soll die Profimannschaft ab dem 1. Juli 2027 wieder unter dem Namen SpVgg Fürth auftreten.
Für die übrigen Vereinsabteilungen ist eine Übergangsfrist bis zum 1. Juli 2030 vorgesehen. Dadurch sollen vorhandene Trikots, Trainingskleidung und andere Ausstattungsgegenstände weiterverwendet und zusätzliche Kosten begrenzt werden.
Der Vorschlag wurde in die offiziellen Unterlagen zur Mitgliederversammlung aufgenommen.
Eine erfolgreiche Abstimmung würde damit nicht bedeuten, dass sämtliche Änderungen unmittelbar nach dem 8. November umgesetzt werden. Zunächst müssten die erforderlichen rechtlichen und organisatorischen Schritte eingeleitet werden.
30 Jahre nach der Umbenennung entscheiden die Mitglieder
Am 8. November wird sich zeigen, ob die Initiative „Zurück zur SpVgg Fürth“ die erforderliche Dreiviertelmehrheit erreicht. Der Weg zur Abstimmung begann mit Protesten gegen den neuen Namen in den späten 1990er-Jahren. Seit 2018 verfolgt die Kampagne das Ziel mit einer organisierten Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederwerbung und Aktionen innerhalb und außerhalb des Stadions.
Mit der Änderung der Vereinssatzung 2022, der Unterstützung zahlreicher Fanclubs und der erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne wurden in den vergangenen Jahren mehrere Voraussetzungen für die Abstimmung geschaffen.
Demgegenüber stehen die Bedenken hinsichtlich der Kosten und die Position jener Mitglieder, die den Namen SpVgg Greuther Fürth mit der Entwicklung des Vereins seit 1996 verbinden.
Die Entscheidung fällt am Sonntag im Ronhof.
Ob das Kleeblatt künftig wieder offiziell Spielvereinigung Fürth heißt, liegt damit in den Händen seiner Mitglieder.




Kommentare