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Pappelkurve VfB Lübeck: Fankonflikt zwischen UKL und Halunken spitzt sich weiter zu

vor 23 Stunden
9 Min. Lesezeit
Pappelkurve Lübeck gegen Dynamo Dresden
Die Pappelkurve im Heimspiel gegen Dresden (3. Liga 2023/24). Foto: @kommune_ost

Die Rückkehr des Ultrà Kollektiv Lübeck (UKL) in die Pappelkurve hat den Fankonflikt innerhalb der Fanszene des VfB Lübeck nicht beendet. Auf Protestaktionen, einen Polizeieinsatz und Schmähgesänge folgte eine kontroverse Jahreshauptversammlung. Inzwischen hat das UKL eine ausführliche Stellungnahme mit schweren Vorwürfen gegen Teile der Halunken veröffentlicht. Die wiederum mobilisieren für das Heimspiel gegen Werder Bremen II zur Alten Holze.



UKL kehrt nach monatelanger Sperrung in die Pappelkurve zurück


Am 22. September 2026 verkündete der VfB Lübeck die Wiedereröffnung der Pappelkurve. Zum Heimspiel gegen den SV Todesfelde am 25. September durfte das Ultra Kollektiv Lübeck (UKL) nach 196 Tagen an seinen angestammten Standort zurückkehren.


Vorausgegangen war eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Angehörigen der beiden Fangruppen am 13. März im sogenannten Contidorf. In der Folge hatte der Verein die Pappelkurve geschlossen und Maßnahmen zur räumlichen Trennung der beteiligten Gruppen ergriffen.


Die Wiedereröffnung bezeichnete der VfB als Ergebnis eines professionell begleiteten Prozesses, an dem neben den Vereinsgremien auch die zuständigen Behörden und Sicherheitspartner beteiligt waren. Nach Angaben des Vereins hatte das UKL eigenes Fehlverhalten im Zusammenhang mit den Vorfällen vom März anerkannt und Konsequenzen gezogen. Personen aus dem Umfeld der Gruppe, die für die Auseinandersetzung verantwortlich gewesen seien, blieben von einer Rückkehr in die Pappelkurve ausgeschlossen.


Für die Halunken galt dagegen weiterhin die Zuweisung zum B-Block. Der VfB betonte, dass dies keine dauerhafte Ausgrenzung bedeute. Bei einer entsprechenden internen Aufarbeitung und der Schaffung von Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander bestehe auch für die Halunken die Perspektive auf eine Rückkehr. Die Vereinsführung bezeichnete die Regelung als Kompromiss und verband damit die Hoffnung auf eine langfristig wieder gemeinsam genutzte Pappelkurve. (📎 VfB Lübeck: Gemeinsamer Lösungsweg für die Pappelkurve)



Sanduhr im B-Block: Halunken nehmen zugewiesenen Standort nicht ein


Mit der Wiedereröffnung kehrte der organisierte Support in die Pappelkurve zurück. Die Halunken nahmen den ihnen zugewiesenen Standort im B-Block dagegen zunächst nicht ein.

Stattdessen war dort eine Sanduhr zu sehen. Während das UKL gemeinsam mit weiteren Gruppen wieder aus der Pappelkurve unterstützte, blieb der Konflikt um die künftige Nutzung der Stadionbereiche bestehen.


Sanduhr-Banner an der Lochmühle Lübeck
Sanduhr-Banner im B-Block. Foto: @hopping_db

Polizeieinsatz an der Alten Holze beim Heimspiel gegen Eimsbüttel


Beim Heimspiel gegen den Eimsbütteler TV am 2. Oktober kam es zu einem weiteren Zwischenfall. Rund 40 Personen wurde trotz vorhandener Eintrittskarten der Zugang zur "Alten Holze" verwehrt. Polizeikräfte sicherten den Eingangsbereich der traditionsreichen Sitztribüne, die gegenüber der Haupttribüne liegt.


Nach Angaben einer Polizeisprecherin ging die Entscheidung vom Vereinsvorstand aus.

Unter den Betroffenen befanden sich nicht ausschließlich Personen aus dem Umfeld der Halunken. Auch andere Zuschauer sowie Spieler der dritten Mannschaft des VfB Lübeck waren von den Zugangsbeschränkungen betroffen. Ein Teil der Personen erhielt nach Diskussionen Zugang zur Tribüne, anderen wurden alternative Plätze angeboten. Die Maßnahme führte zu erneuter Kritik an der Vereinsführung. (📎 HL-SPORTS: Polizeieinsatz und Zugangsbeschränkungen an der Alten Holze)



Schmähgesänge gegen UKL und Protestbanner auf der Alten Holze


Auch beim Heimspiel gegen den FC St. Pauli am 17. Oktober war der Konflikt im Stadion präsent. Während das UKL gemeinsam mit weiteren Gruppen die Mannschaft aus der Pappelkurve unterstützte, versammelten sich verschiedene Fanclubs im Block G6 auf der Haupttribüne. Von dort waren wiederholt Schmähgesänge gegen das UKL zu hören. Unter anderem wurde „Scheiß UKL!“ gerufen. Auf der Alten Holze hing zudem ein Spruchband mit der Aufschrift „UKL-VORSTAND VERTREIBEN! SPONSOREN BLEIBEN“. Wer das Transparent angebracht hatte, ist nicht bekannt.


UKL veröffentlicht ausführliche Stellungnahme zum Fankonflikt


Am 25. Oktober veröffentlichte das Ultra Kollektiv Lübeck eine umfangreiche Stellungnahme, in der sich die Gruppe erstmals ausführlich zu den Hintergründen der Auseinandersetzung vom 13. März sowie zur Entwicklung des Verhältnisses zu den Halunken äußerte.


Das UKL widerspricht darin ausdrücklich der Darstellung, der Konflikt sei aus einem Machtkampf um die Vorherrschaft in der Pappelkurve entstanden. Die Halunken hätten nach eigener Einschätzung zu keinem Zeitpunkt versucht, die Stellung des UKL in der Kurve einzunehmen.


Vielmehr beschreibt die Gruppe eine über Jahre gewachsene Auseinandersetzung, deren Ursachen sie insbesondere in Veränderungen innerhalb der Halunken sieht. Nach Darstellung des UKL bestanden ursprünglich enge persönliche Beziehungen zwischen beiden Gruppen. Zahlreiche ältere Mitglieder und Gründungsmitglieder der Halunken hätten ihre Anfänge in den Strukturen des UKL gehabt.


Mit der Aufnahme jüngerer Mitglieder hätten sich die Halunken jedoch zunehmend von einem zuvor gemeinsamen Wertekodex entfernt.


Vorwürfe wegen rechtsextremer Äußerungen und Übergriffen


In der Stellungnahme erhebt das UKL schwere Vorwürfe gegen einzelne Mitglieder und Führungspersonen der Halunken.


Die Gruppe berichtet unter anderem von rechtsextremen und antisemitischen Äußerungen, homophoben und sexistischen Beleidigungen sowie körperlichen Übergriffen. Zur Untermauerung ihrer Darstellung führt sie mehrere konkrete Ereignisse aus den Jahren 2023 bis 2026 an.


So sollen Angehörige der Halunken beim Auswärtsspiel in Dortmund am 11. November 2023 einen nationalistischen Sprechchor angestimmt haben. Für ein Auswärtsspiel in Aue am 27. Januar 2024 wirft das UKL einem Führungsmitglied antisemitische Gesänge vor.

Auch ein Vorfall beim Heimspiel gegen Hannover am 12. Oktober 2025 wird geschildert. Ein Führungsmitglied der Halunken soll dabei einen Gürtel mit Hakenkreuzsymbolik getragen haben.


Für das Auswärtsspiel in Drochtersen am 17. Oktober 2025 berichtet das UKL von offenen NS-verherrlichenden Parolen, homophoben Gesängen und sexistischen Beleidigungen gegenüber Frauen auf der Tribüne. Als weiteren Wendepunkt beschreibt die Gruppe das Auswärtsspiel in Hannover am 28. Februar 2026. Dort sollen zwei Führungspersonen der Halunken erneut rechtsextreme und diskriminierende Äußerungen getätigt haben.


Darüber hinaus erhebt das UKL den Vorwurf, ein Führungsmitglied der Halunken habe einen langjährigen Freund der Gruppe zu Boden gestoßen und anschließend mehrfach gegen den Kopf getreten. Eine Frau, die dazwischengehen wollte, sei ebenfalls beinahe angegriffen worden.


Sämtliche geschilderten Vorfälle und Anschuldigungen sind Angaben des UKL. In der Stellungnahme kündigt die Gruppe an, die von ihr beschriebenen Sachverhalte nach eigenen Maßstäben mit Bildmaterial belegen zu können oder sich auf Ereignisse mit zahlreichen Zeugen zu beziehen.


UKL räumt eigene Fehler und Verantwortung für den 13. März ein


Neben den Vorwürfen gegen die Halunken enthält die Stellungnahme auch selbstkritische Passagen. Das UKL erklärt, es habe die aus seiner Sicht problematische Entwicklung innerhalb der Halunken über längere Zeit nicht entschieden genug aufgegriffen. Statt Konsequenzen zu ziehen, habe man wiederholt versucht, die Probleme in Gesprächen zwischen den Führungspersonen beider Gruppen zu lösen.


Auch zur Auseinandersetzung vom 13. März äußert sich das UKL. Nach eigener Darstellung hatte die Gruppe nach den Ereignissen beim Auswärtsspiel in Hannover beschlossen, sich bei einer erneuten Konfrontation nicht mehr zurückzuziehen und gegebenenfalls auch körperlich vorzugehen.


Gleichzeitig widerspricht das UKL einer aus seiner Sicht vereinfachten Darstellung der Auseinandersetzung als einseitigen Angriff. Es verweist unter anderem auf mutmaßliche Kampfaufforderungen und Provokationen durch die Gegenseite. Die Gruppe räumt jedoch eine eigene Verantwortung für die Eskalation ein. Sie erklärt, die Auseinandersetzung nicht an einem Ort gewollt zu haben, an dem sich Unbeteiligte und Kinder aufhielten. Für die Folgen übernimmt das UKL nach eigener Aussage Verantwortung und entschuldigt sich bei den unbeteiligten Personen.


Damit enthält die Stellungnahme sowohl eine Darstellung der aus Sicht des UKL vorausgegangenen Ereignisse als auch ein Eingeständnis eigener Verantwortung für die gewalttätige Auseinandersetzung.


UKL berichtet von Bedrohungen nach der Auseinandersetzung


Ein weiterer Teil der Stellungnahme befasst sich mit den Monaten nach dem 13. März.

Das UKL wirft Personen aus dem Umfeld der Halunken vor, Mitglieder und ihnen nahestehende Personen wiederholt bedroht und eingeschüchtert zu haben. Die Gruppe schildert unter anderem Drohungen im öffentlichen Raum, einen körperlichen Angriff vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Juni sowie Einschüchterungen beim Campus Open Air.


Darüber hinaus berichtet das UKL von Beschädigungen an Fahrzeugen und Drohungen gegen Mitglieder sowie deren persönliches Umfeld. Die Stellungnahme endet mit der Forderung nach einer Pappelkurve ohne Diskriminierung und Hass. Zugleich erklärt das UKL, eine Rückkehr zu den bisherigen Verhältnissen innerhalb der Fanszene abzulehnen.





Fankonflikt beschäftigt Jahreshauptversammlung des VfB Lübeck


Zwei Tage nach der Veröffentlichung der UKL-Stellungnahme stand der Konflikt auch auf der Tagesordnung der Jahreshauptversammlung des VfB Lübeck. Am 27. Oktober kamen 364 Mitglieder zur Versammlung zusammen. Die Veranstaltung dauerte fast sechs Stunden und endete erst gegen 0:50 Uhr.


Neben der angespannten finanziellen Situation des Vereins nahm die Auseinandersetzung zwischen UKL und Halunken breiten Raum ein. Beide Gruppierungen waren vertreten. Während der Aussprache kam es zu kontroversen Wortmeldungen und Zwischenrufen.

Nach einem Bericht der Lübecker Nachrichten waren die Halunken mit rund 100 Personen aus der Gruppe und ihrem Umfeld gemeinsam am Veranstaltungsort eingetroffen. Die Polizei war während des Abends im Umfeld präsent.


Aufsichtsrat kritisiert UKL und erhebt Vorwürfe gegen Halunken-Umfeld


Aufsichtsratsmitglied Detlef Meyer-Stender äußerte sich auf der Jahreshauptversammlung ausführlich zum Fankonflikt. Den Angriff vom 13. März bezeichnete er nach Angaben der Lübecker Nachrichten als Straftat und vereinsschädigend. Auch die aus seiner Sicht verspätete Übernahme von Verantwortung durch das UKL kritisierte er.


Gleichzeitig erhob Meyer-Stender Vorwürfe gegen Personen aus dem Umfeld der Halunken.

Er erklärte, nicht alle Halunken seien Rechtsextremisten. Im Umfeld der Gruppe gebe es jedoch Personen, die er als Nazis bezeichnen würde. Für diese Einschätzung lägen dem Verein nach seinen Angaben zahlreiche Belege vor.


Meyer-Stender richtete sich dabei auch an Mitglieder der Halunken, die selbst keine rechtsextremen Positionen vertreten. Sie müssten sich nach seiner Darstellung damit auseinandersetzen, dass entsprechende Personen unter dem Namen ihrer Gruppe auftreten.

Die Aussagen des Aufsichtsratsmitglieds decken sich in Teilen mit den zuvor vom UKL erhobenen Vorwürfen. Welche konkreten Erkenntnisse und Belege dem Verein vorliegen, wurde in den bislang vorliegenden Berichten jedoch nicht vollständig offengelegt.

Eine pauschale Einordnung sämtlicher Mitglieder der Halunken nahm Meyer-Stender ausdrücklich nicht vor.


Warum durfte UKL zurückkehren, die Halunken aber nicht?


Auch die Entscheidung zur Wiedereröffnung der Pappelkurve wurde auf der Jahreshauptversammlung erneut diskutiert. Vertreter der Halunken kritisierten die unterschiedliche Behandlung der beiden Gruppen und verlangten Erklärungen von der Vereinsführung.


Meyer-Stender erläuterte nach Angaben der Lübecker Nachrichten, dass die Sperrung der Pappelkurve nicht als Strafe gedacht gewesen sei. Ziel sei vielmehr gewesen, ein sicheres Miteinander auf der Tribüne zu ermöglichen. Gegenüber dem UKL sei inzwischen wieder Vertrauen entstanden. Die Gruppe habe sich zumindest mit den Ereignissen vom März auseinandergesetzt.


Gegenüber den Halunken bestehe dieses Vertrauen bislang nicht in vergleichbarer Weise.

Damit bestätigte Meyer-Stender die bereits im September veröffentlichte Position des Vereins, wonach eine Rückkehr an die Aufarbeitung der Ereignisse und an Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander geknüpft sei. Aus dem Umfeld der Halunken wurde diese Begründung während der Versammlung kritisiert. Auch die Kommunikation des Vorstands war Gegenstand der Aussprache.


Mitglieder berichten von Einschüchterungen


Während der Jahreshauptversammlung meldeten sich auch Personen zu Wort, die nicht unmittelbar einer der beiden Fangruppen zuzurechnen sind. Stadionsprecher Wolf-Asmus Wittke berichtete nach Angaben der Lübecker Nachrichten, bedroht worden zu sein, weil er gemeinsam mit einem UKL-Mitglied im Wahlausschuss tätig gewesen sei.


Ein weiteres Vereinsmitglied schilderte die Sorge, die eigene Meinung nicht mehr frei äußern zu können. In diesem Zusammenhang wurden auch Vorwürfe diskriminierender Anfeindungen auf der Alten Holze erhoben. Die individuellen Schilderungen wurden auf der Versammlung öffentlich vorgetragen.


Vereinsvertreter werben für neue Gespräche


Im weiteren Verlauf der Aussprache sprachen sich mehrere Vereinsvertreter für eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen den Fangruppen aus. Ehrenratsvorsitzender Wolfgang Piest verwies darauf, dass sich Teile der Fanszene in der Vergangenheit gegen eine Einmischung des Vereins ausgesprochen hätten.


Auch Aufsichtsratsmitglied Jens Burchardt äußerte Kritik an der bisherigen Gesprächsbereitschaft des UKL. Die Gruppe habe frühere Gesprächsmöglichkeiten nicht wahrgenommen. Sportvorstand Hanno Behrens berichtete dagegen von neuen Signalen aus dem UKL-Umfeld, wonach eine erneute Gesprächsaufnahme möglich sein könnte.

Eine Verständigung zwischen UKL und Halunken kam auf der Jahreshauptversammlung nicht zustande.


Mitglieder beschließen Aufarbeitung bis Januar 2027


Die Mitgliederversammlung fasste auch Beschlüsse zum weiteren Umgang mit dem Fankonflikt. Mit 193 Ja-Stimmen wurde ein Antrag angenommen, wonach die Vereinsgremien bis zum 31. Januar 2027 eine schriftliche Aufarbeitung des Konflikts vorlegen sollen.


Darüber hinaus stimmten die Mitglieder mit 237 Ja-Stimmen für einen Vereinskodex. Dieser soll unter anderem die Achtung der Menschenrechte und die Ablehnung von Diskriminierung festhalten.


Antrag gegen Aufsichtsratsmitglied Burdenski nicht zugelassen


Auch die Besetzung des Aufsichtsrats wurde im Zusammenhang mit dem Fankonflikt diskutiert. Aus dem Umfeld der Halunken war ein Antrag eingebracht worden, Marcel Burdenski als Vertreter des Fankreises im Aufsichtsrat abzuberufen.


Der Antrag wurde von der Versammlungsleitung als unzulässig bewertet. Begründet wurde dies damit, dass Burdenski vom Fankreis bestimmt worden sei und eine Abberufung entsprechend nur durch dieses Gremium erfolgen könne. Burdenski erklärte nach Angaben der Lübecker Nachrichten, im Konflikt zwischen UKL und Halunken neutral zu sein.


Aufsichtsrat erhält keine Entlastung


Für ein weiteres Ergebnis sorgten die Abstimmungen über die Entlastung der Vereinsgremien. Der Vorstand wurde mit 155 Ja-Stimmen, 100 Nein-Stimmen und acht Enthaltungen entlastet. Anders fiel die Entscheidung beim Aufsichtsrat aus. Hier stimmten 146 Mitglieder gegen und 134 für eine Entlastung. Der Aufsichtsrat erhielt damit nicht die erforderliche Zustimmung. Die Lübecker Nachrichten berichteten, dass zahlreiche Gegenstimmen aus dem Umfeld der Halunken gekommen seien.


Allerdings war die Versammlung nicht ausschließlich vom Fankonflikt geprägt. Der Verein musste sich zugleich mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten auseinandersetzen.

Nach den auf der JHV vorgelegten Angaben besteht ein strukturelles Defizit von rund 414.000 Euro. Zudem wurde über eine zwischenzeitlich äußerst angespannte Liquiditätssituation berichtet.


Aus dem Abstimmungsergebnis lässt sich deshalb nicht ableiten, welcher Anteil der Gegenstimmen auf den Fankonflikt und welcher auf andere Kritikpunkte zurückzuführen ist. (📎 HL-SPORTS: Aufsichtsrat des VfB Lübeck erhält keine Entlastung)


Halunken mobilisieren für Samstag: „Alle auf die Alte Holze!“


Drei Tage nach der Jahreshauptversammlung liegt bereits der nächste öffentliche Aufruf der Halunken vor. Über ihren Instagram-Account hanseatisch.fanatisch mobilisiert die Gruppe für das Heimspiel gegen Werder Bremen II am Samstag, den 31. Oktober 2026. Die Ankündigung steht unter dem Motto „Alle auf die Alte Holze!“. Als Treffpunkt nennt die Gruppe 12 Uhr am AVIA an der Lohmühle. Das Regionalligaspiel beginnt um 14 Uhr.


Der Aufruf folgt auf die Ereignisse beim Heimspiel gegen den Eimsbütteler TV am 2. Oktober. Damals war mehreren Personen trotz vorhandener Eintrittskarten der Zugang zur Alten Holze zunächst verweigert worden. Auch Personen aus dem Umfeld der Halunken waren davon betroffen.



Fazit: Konflikt innerhalb der Fanszene bleibt ungelöst


Mehr als sieben Monate nach der Auseinandersetzung vom 13. März gibt es weiterhin keine Einigung zwischen UKL und Halunken. Das UKL ist seit Ende September wieder in der Pappelkurve vertreten. Die Halunken haben den ihnen zugewiesenen B-Block zunächst nicht bezogen und ihren Protest an anderen Stellen des Stadions fortgesetzt.


In seiner Stellungnahme vom 25. Oktober erhebt das UKL schwere Vorwürfe gegen Teile der Halunken und räumt zugleich eigene Verantwortung für die gewalttätige Auseinandersetzung vom März ein. Auf der Jahreshauptversammlung kritisierten Vereinsvertreter das Verhalten beider Gruppen. Zudem wurden Vorwürfe wegen rechtsextremer Einstellungen, Bedrohungen und Einschüchterungen thematisiert.


Die Mitgliederversammlung hat eine schriftliche Aufarbeitung des Fankonflikts bis zum 31. Januar 2027 beschlossen. Vereinsvertreter warben außerdem für neue Gespräche zwischen den Beteiligten. Ob diese zustande kommen, ist bislang offen.


Mit dem Aufruf der Halunken für das Heimspiel gegen Werder Bremen II am 31. Oktober steht zunächst ein weiterer Spieltag bevor, an dem die Auseinandersetzung erneut öffentlich sichtbar werden könnte.

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