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VfB Lübeck öffnet Pappelkurve wieder – UKL kehrt zurück, Halunken bleiben draußen. Die Chronologie

vor 7 Tagen
7 Min. Lesezeit
Leere Pappelkurve Lübeck
Foto: @hopping_db

196 Tage nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen im Umfeld der Lohmühle öffnet der VfB Lübeck die Pappelkurve wieder. Zum Heimspiel gegen den SV Todesfelde am 25. September darf das Ultrà Kollektiv Lübeck (UKL) in den angestammten Fanbereich zurückkehren. Die Halunken bleiben dagegen zunächst in Block B. Damit endet zwar die monatelange vollständige Sperrung der Pappelkurve – gelöst ist der Konflikt innerhalb der Lübecker Fanszene aber weiterhin nicht.


Die Entscheidung ist das Ergebnis eines mehr als sechs Monate dauernden Prozesses, in dem der VfB seine eigene aktive Fanszene räumlich trennte, die Pappelkurve schloss, bei mehreren Auswärtsspielen auf Gästefans verzichtete und schließlich einen externen Mediator einschaltete. Nun zieht der Verein erstmals unterschiedliche Konsequenzen für die beiden beteiligten Lübecker Fangruppen.


UKL darf zurück in die Pappelkurve


Ausgangspunkt war eine gewalttätige Auseinandersetzung nach dem Regionalliga-Heimspiel gegen den Hamburger SV II am 13. März. Mehr als 50 Personen waren laut Polizei an den Auseinandersetzungen beteiligt, sechs Menschen wurden leicht verletzt. Beteiligt waren Personen aus verschiedenen Fangruppierungen aus Lübeck und Hamburg. (📎 NDR)


Der VfB spricht in seiner jetzigen Erklärung ausdrücklich von der notwendigen Aufarbeitung der „gewalttätigen Vorfälle vom 13. März“. Das UKL habe dabei eigenes Fehlverhalten anerkannt und Konsequenzen gezogen. Personen aus dem eigenen Umfeld, die für die Vorfälle verantwortlich gewesen seien, würden von einer Rückkehr in die Pappelkurve ausgeschlossen. Wie dieser Ausschluss praktisch umgesetzt wird und um wie viele Personen es sich handelt, teilte der Verein nicht mit.


Anders fällt die Entscheidung bei den Halunken aus. Die Gruppe verbleibt vorerst in Block B. Eine dauerhafte Verbannung aus der Pappelkurve soll dies nach Darstellung des VfB allerdings ausdrücklich nicht sein. Voraussetzung für eine spätere Rückkehr sei eine „tragfähige interne Aufarbeitung“. Zudem müssten die Voraussetzungen für ein friedliches und respektvolles Miteinander geschaffen werden. Welche konkreten Schritte der VfB von den Halunken dafür erwartet, bleibt bislang offen.


Eine gemeinsame Lösung gibt es weiterhin nicht


Damit beendet der VfB nach 196 Tagen das bisherige Prinzip, beide Fangruppen gleichermaßen aus der Pappelkurve herauszuhalten. Eine Einigung zwischen UKL und Halunken gibt es nach Informationen der Lübecker Nachrichten weiterhin nicht. Der jetzt eingeschlagene Weg geht demnach auf den Vorschlag eines externen Mediators zurück, der im Laufe des Konflikts hinzugezogen worden war. (📎 Lübecker Nachrichten)


Der VfB selbst betont, die unterschiedliche Behandlung dürfe weder als Erfolg noch als Niederlage einer der Fangruppen verstanden werden. Langfristiges Ziel bleibe eine gemeinsame Pappelkurve. Der Verein kündigte zudem einen neuen Fankodex und eine angepasste Stadionordnung an. Damit sollen einheitliche Regeln geschaffen werden. „Gewalt, Extremismus und Einschüchterung“ hätten beim VfB unabhängig davon, von wem sie ausgingen, keinen Platz.


Von der Schlägerei zur getrennten Fanszene


Wie tief der Konflikt den Fanalltag beim VfB über Monate verändert hat, zeigt der Blick auf die vergangenen 196 Tage. Bereits sechs Tage nach den Auseinandersetzungen empfahl der VfB dem FSV Schöningen, beim Auswärtsspiel keinen Gästeblock für Lübecker Fans zu öffnen. Der Gastgeber folgte der Empfehlung. (📎 NDR)


Vor dem folgenden Heimspiel gegen Blau-Weiß Lohne führte der Verein Gespräche mit UKL und Halunken. Dabei wurde nach Angaben des VfB deutlich, dass beide Gruppen nicht gemeinsam mit der jeweils anderen in einem Fanblock stehen wollten. Der Verein schloss daraufhin die Pappelkurve und das Contidorf und trennte die beiden Gruppen einschließlich ihrer Zu- und Abwege. (📎 VfB Lübeck)


Die Halunken bezogen Block B, das UKL zunächst den Gästebereich und später Block F2 neben der Pappelkurve. Selbst Capo-Positionen, Choreografien und die Verkehrswege rund um die Lohmühle mussten im neuen Sicherheitskonzept berücksichtigt werden. (📎 VfB Lübeck)


Ultra Kollektiv Lübeck in Block F2 der Lohmühle
Das UKL im F2-Block. Foto: @hopping_db

UKL und Halunken trugen Konflikt öffentlich aus


Im April verlagerte sich die Auseinandersetzung zusätzlich in die Öffentlichkeit. Beide Gruppen veröffentlichten Stellungnahmen und schilderten Vorgeschichte und Ursachen des Konflikts aus ihrer jeweiligen Sicht.




Der VfB reagierte am 15. April mit einer gemeinsamen Erklärung von Ehrenrat, Aufsichtsrat und Vorstand. Darin erklärte der Verein, die Eskalation habe ihm erheblichen Schaden zugefügt. Der VfB verwies unter anderem auf Gewalt, extremistische Gesinnung, rassistische Parolen, Diskriminierung und Einschüchterung und forderte die Beteiligten zum Dialog auf. Der zentrale Appell: „Setzt Euch an einen Tisch.“ Gleichzeitig erklärte der Verein, ein gemeinsamer Dialog sei bis dahin ausgeschlossen worden. (📎 VfB Lübeck)


Kurz darauf saßen Vertreter beider Gruppen zumindest virtuell erstmals gemeinsam mit dem VfB zusammen. Jeweils zwei Vertreter nahmen an einer Videokonferenz teil. Vorstandsvorsitzender Dieter Gudel bezeichnete den Austausch anschließend als konstruktiv. Eine Lösung des Konflikts brachte das Gespräch jedoch nicht. (📎 HL-Sports)


Mehrere Auswärtsspiele komplett ohne VfB-Fans


Am 17. April machte der VfB die zunächst provisorische Fantrennung für den Rest der Saison zum festen Modell. Pappelkurve und Contidorf blieben geschlossen, die Halunken in Block B und das UKL erhielt Block F2. (📎 VfB Lübeck)


Noch weitreichender waren die Folgen auswärts. Weil in Jeddeloh und Hannover nach Einschätzung des VfB keine ausreichende Infrastruktur für getrennte Gästeblöcke sowie getrennte Zu- und Abwege vorhanden war, empfahl der Verein beiden Gastgebern, überhaupt keine Lübecker Gästefans zuzulassen. Beide folgten der Empfehlung. (📎 VfB Lübeck)


Auch beim letzten Auswärtsspiel der Saison in Emden blieb der Gästeblock geschlossen. Damit fanden in Schöningen, Jeddeloh, Hannover und Emden vier Auswärtsspiele ohne regulären Gästesupport des VfB statt. (📎 VfB Lübeck)


Die Auswirkungen trafen damit längst nicht mehr nur UKL und Halunken, sondern auch andere VfB-Fans.


Externer Mediator sollte den Konflikt lösen


Über die Sommerpause versuchte der Verein einen neuen Ansatz. Ein unabhängiger Mediator wurde hinzugezogen, um die Gespräche zwischen den Beteiligten professionell zu begleiten.


Mitte Juli meldete der VfB einen ersten Fortschritt: Die Gespräche verliefen konstruktiv, eine abschließende Einigung sei aber noch nicht erreicht worden. UKL und Halunken verständigten sich gemeinsam mit dem Vorstand darauf, dem Landespokalspiel gegen die Kaltenkirchener TS organisiert fernzubleiben. Der Verein wertete dies als „wichtiges Signal der Gesprächsbereitschaft“. (📎 VfB Lübeck)


Für den Saisonstart 2026/27 reichte der Fortschritt dennoch nicht aus. Ende Juli erklärte der VfB, der Konflikt sei „bislang nicht nachhaltig beigelegt“. Pappelkurve und Contidorf blieben geschlossen, UKL und Halunken weiterhin räumlich getrennt. (📎 VfB Lübeck)


Auch beim ersten Auswärtsspiel der neuen Saison bei Atlas Delmenhorst wurde aufgrund des vereinsinternen Fankonflikts kein Gästeblock für VfB-Fans geöffnet. (📎 VfB Lübeck)


Halunken in Block B der Lohmühle
Halunken im Block B. Foto: @hopping_db

Nun folgt erstmals eine Abkehr von der vollständigen Trennung aus der Pappelkurve. Das UKL kehrt am 25. September gegen Todesfelde zurück. Die Halunken müssen weiter warten. Ob daraus tatsächlich wieder die vom VfB angestrebte gemeinsame Pappelkurve entstehen kann, bleibt nach mehr als einem halben Jahr Konflikt offen.


196 Tage Fan-Konflikt beim VfB Lübeck: Die Chronologie


13. März 2026: Nach dem Heimspiel gegen den Hamburger SV II kommt es vor und im Bereich des Contidorfs zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Mehr als 50 Personen sind laut Polizei beteiligt, sechs werden leicht verletzt. Der VfB erstattet Strafanzeige.


19. März: Der VfB empfiehlt dem FSV Schöningen, beim folgenden Auswärtsspiel keinen Gästeblock zu öffnen. Schöningen folgt der Empfehlung – VfB-Fans bleiben erstmals komplett draußen.


25. März: Nach Gesprächen mit UKL und Halunken gibt der VfB bekannt, dass beide Gruppen nicht gemeinsam in einem Fanblock stehen wollen. Für das Heimspiel gegen Blau-Weiß Lohne wird die Pappelkurve geschlossen. UKL und Halunken werden räumlich getrennt, ebenso ihre Zu- und Abwege. Auch das Contidorf bleibt geschlossen.


27. März: Das erste Heimspiel unter vollständiger Fantrennung findet statt. Die Halunken stehen in Block B, das UKL in A1. Die Pappelkurve bleibt leer. Die Polizei meldet einen friedlichen Verlauf. (📎 HL-Sports)


Anfang April: Die Trennung wird beim Heimspiel gegen Werder Bremen II fortgeführt.


12.–15. April: UKL und Halunken tragen den Konflikt mit eigenen Stellungnahmen öffentlich aus. Gegenseitige Vorwürfe und unterschiedliche Darstellungen der Vorgeschichte werden Teil der Auseinandersetzung.


15. April: Ehrenrat, Aufsichtsrat und Vorstand des VfB veröffentlichen eine gemeinsame Stellungnahme. Der Verein fordert beide Seiten zum Dialog auf: „Setzt Euch an einen Tisch.“ Gleichzeitig verweist der VfB auf seine unmittelbar nach dem Vorfall gestellte Strafanzeige. (📎 VfB Lübeck)


15./16. April: Je zwei Vertreter von UKL und Halunken nehmen unter Beteiligung des VfB an einer gemeinsamen Videokonferenz teil. Der Austausch wird vom Verein als konstruktiv bewertet, führt aber nicht zur Beilegung des Konflikts.


17. April: Der VfB verlängert die Fantrennung bis zum Saisonende. Die Pappelkurve und das Contidorf bleiben geschlossen. Die Halunken bleiben in Block B, für das UKL wird Block F2 vorgesehen.


19. April: Beim Stadtderby gegen Phönix Lübeck wird das neue Konzept umgesetzt. UKL und Halunken unterstützen den VfB aus getrennten Stadionbereichen.


22. April: Beim SSV Jeddeloh II gibt es auf Empfehlung des VfB keinen Gästeblock für Lübecker Fans.


26. April: Auch beim HSC Hannover bleiben VfB-Fans aufgrund der fehlenden Möglichkeiten zur internen Fantrennung ausgeschlossen.


Ende April: Die Hamburger Castaways thematisieren die Maßnahmen bei einem HSV-Heimspiel mit einem Spruchband. Die räumliche Trennung in Lübeck bleibt bestehen. (📎 HL-Sports)


5. Mai: Der VfB gibt bekannt, dass auch beim Auswärtsspiel in Emden keine Gästefans zugelassen werden. Es ist das vierte Auswärtsspiel der Rückrunde ohne regulären Lübecker Gästesupport.


6. Mai: Im Zuge der Aufarbeitung treten zusätzliche Probleme des Contidorfs hervor. Der VfB erklärt, vor einer Wiederöffnung müssten angemessene Entfluchtungsmöglichkeiten hergestellt und weitere festgestellte Sicherheitslücken geschlossen werden. Die Schließung hat damit neben der Fantrennung inzwischen auch bauliche beziehungsweise sicherheitstechnische Gründe. (📎 VfB Lübeck)


16. Mai: Die Saison 2025/26 endet für den VfB mit weiterhin geschlossener Pappelkurve und getrennten Fangruppen.


Sommerpause: Der VfB zieht einen unabhängigen externen Mediator hinzu. Ziel ist eine tragfähige langfristige Lösung zwischen den beteiligten Fangruppen.


15. Juli: Der Verein berichtet von konstruktiven Gesprächen, aber weiterhin keiner abschließenden Einigung. UKL und Halunken verständigen sich gemeinsam mit dem Vorstand darauf, dem Pokalspiel gegen Kaltenkirchen organisiert fernzubleiben.


19. Juli: Das Pokalspiel gegen Kaltenkirchen findet ausschließlich mit geöffneter Haupttribüne statt. Beide Fangruppen bleiben wie vereinbart organisiert fern.


30. Juli: Kurz vor Beginn der neuen Regionalliga-Saison erklärt der VfB, der Konflikt sei noch nicht nachhaltig beigelegt. Pappelkurve und Contidorf bleiben geschlossen, die Halunken in Block B und das UKL in F2.


8. August: Beim Auswärtsspiel bei Atlas Delmenhorst wird aufgrund des vereinsinternen Fankonflikts erneut kein Gästeblock für VfB-Fans geöffnet.


26. August: Beim erneuten Heimspiel gegen den Hamburger SV II bleibt die Pappelkurve weiterhin geschlossen. Auch Gästefans sind bei dieser Partie nicht zugelassen. (📎 NDR)


22. September: Der VfB verkündet die Wiederöffnung der Pappelkurve. Das UKL darf zurückkehren, nachdem es laut Verein eigenes Fehlverhalten anerkannt und Konsequenzen gezogen habe. Die Halunken verbleiben zunächst in Block B. Eine spätere Rückkehr stellt der VfB bei einer aus seiner Sicht tragfähigen internen Aufarbeitung in Aussicht.


25. September: Gegen den SV Todesfelde soll die Pappelkurve nach 196 Tagen erstmals wieder öffnen.

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