30 Jahre Erfordia Ultras: Eine der ältesten Ultrà-Gruppen Deutschlands feiert Jubiläum
Aktualisiert: vor 7 Tagen

Eine der ältesten Ultrà-Gruppen Deutschlands feiert ihren 30. Geburtstag: Die Ultras von Rot-Weiß Erfurt haben das Regionalliga-Topspiel zwischen dem FCRWE und Wismut Aue für eine mehrteilige Jubiläumschoreografie für 30 Jahre Erfordia Ultras genutzt. Zum Einlaufen verwandelte sich die Steigerwaldkurve mit einer großen Blockfahne und Pyrotechnik, nach der Pause folgte der Rückblick auf das Gründungsjahr 1996.
Die Erfordia Ultras gehören zur frühen Generation der deutschen Ultrà-Bewegung. Gegründet wurde die Gruppe 1996 – zu einer Zeit, als sich die aus Italien stammende Ultrà-Kultur in Deutschland erst allmählich ausbreitete. Die Gruppe selbst bezeichnet sich als älteste Ultrà-Gruppe auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Das Fachmagazin „Erlebnis Fußball“ zählt EFU zu den ersten deutschen Ultràgruppen. (📎 Erlebnis Fußball)
Erfordia Ultras feiern 30 Jahre mit Choreo und Pyro
Zum Einlaufen begann die Jubiläumschoreografie der Erfordia Ultras mit einer großen Blockfahne über weite Teile der Steigerwaldkurve. Dominant war der Schriftzug „ULTRAS“, im Zentrum verwies die Gestaltung auf das 30-jährige Bestehen der Gruppe.

Bereits zu diesem ersten Teil hing am unteren Ende der Kurve ein Stück EFU-Geschichte: „Devastare le città – picchiare gli sbirri“, übersetzt etwa „Die Städte verwüsten – die Bullen verprügeln“. Der italienische Schriftzug wurde nicht eigens für das Jubiläum geschaffen. Eine EFU-Zaunfahne mit dieser Aufschrift ist bereits aus früheren Jahren dokumentiert. Im gruppeneigenen Infozine „Block 3“ wurde sie 2006 bei einem Zaunfahnen-Voting als „EFUS – Devastare le citta'...“ aufgeführt. Eine ältere Übersicht der Erfurter Fanszene dokumentiert ebenfalls die vollständige Fahne „EFUS – Devastare Le Citta' Picchiare Gli Sbirri“. (📎 Erfordia Ultras – Block 3 Nr. 37) (📎 Krauße's HP – Die Erfordia Ultras)

Als die große Blockfahne heruntergenommen wurde, kam der zweite Teil der Choreo zum Vorschein: Weiße Elemente bildeten über die Kurve groß das Kürzel „EFU“, während zahlreiche rote Fackeln gezündet wurden. Die historische italienische Zaunfahne blieb dabei weiterhin am unteren Ende der Kurve hängen.

Zur zweiten Halbzeit zurück ins Jahr 1996
Nach der Pause folgte eine zweite Choreografie. Nun rückte das Gründungsjahr 1996 in den Mittelpunkt. Eine große rot-weiße Blockfahne zeigte zentral eine vermummte Person und verwies mit „1996“ auf die Anfänge der Erfordia Ultras. Am unteren Rand zog sich groß der Schriftzug „ERFORDIA ULTRAS“ über die Kurve.
Damit spannten die Erfordia Ultras ihre Jubiläumschoreos über beide Halbzeiten: Zunächst stand das 30-jährige Bestehen im Mittelpunkt, anschließend folgte der Rückblick auf das Jahr, in dem die Geschichte der Gruppe begann.

Seit 1996 Teil der Erfurter Fanszene
Drei Jahrzehnte Erfordia Ultras bedeuten auch drei Jahrzehnte voller Umbrüche rund um Rot-Weiß Erfurt. Fanblockwechsel, Stadionumbau, sportlicher Absturz und Insolvenz gehören ebenso zur Geschichte wie Wiederaufstiege und Derbys. EFU selbst fasst die gemeinsame Vergangenheit mit dem Verein unter anderem mit „Oberliga, Insolvenz, Ausgliederung – Wiederaufstieg, Derbysieg und viele Jubiläen“ zusammen. (📎 Erfordia Ultras)
Dass sich die Gruppe früh nicht ausschließlich als Stimmungsmacher verstand, lässt sich in ihrem eigenen Archiv nachvollziehen. Bereits Mitte der 2000er-Jahre formulierte EFU im „Block 3“, dass sich der ultràorientierte Teil der Kurve nicht von den übrigen Fans abkapseln solle. „Zusammenhalt“ wurde als Maxime ausgegeben. Auch Choreografien sollten nach eigener Aussage nicht inflationär eingesetzt werden – die Gruppe formulierte damals den Grundsatz „Weniger ist manchmal mehr“. (📎 Erfordia Ultras – Block 3 Nr. 13)
Ebenfalls 2006 gründete sich mit der EFU Youth eine eigene Nachwuchsgruppierung. Sie sollte nach eigener Darstellung junge Fans an die Vorstellungen der Erfordia Ultras heranführen und als Bindeglied zwischen Neueinsteigern und der Gruppe dienen. Damit feiert auch diese Struktur 2026 bereits ihr 20-jähriges Bestehen. (📎 Erfordia Ultras – EFU Youth)
Vom 10. über das 20. zum 30. Geburtstag
Schon zum zehnjährigen Bestehen arbeitete die Gruppe ihre eigene Geschichte auf. Ein „Block 3“ aus dem Herbst 2006 verweist auf ein eigens veröffentlichtes „10 Jahres Heft“. Eine größere Jubiläumschoreografie aus diesem Jahr lässt sich anhand der heute zugänglichen Quellen allerdings nicht zweifelsfrei rekonstruieren. (📎 Erfordia Ultras – Block 3 Nr. 37)
Zehn Jahre später wurde das Jubiläum auch auf den Rängen groß gefeiert. Beim Heimspiel gegen den Chemnitzer FC im November 2016 präsentierte die Erfurter Fanszene eine Choreo mit dem Logo der Erfordia Ultras, der Jahreszahl 1996 und dem Spruchband „20 Jahre Ultras in Erfurt“. Anschließend folgte eine Pyroshow. (📎 3-liga.com)
Zum 25-jährigen Bestehen widmete „Erlebnis Fußball“ der Gruppe schließlich ein ausführliches Interview. Im Mittelpunkt standen dabei unter anderem der Wechsel der Kurve, die Insolvenz von Rot-Weiß Erfurt sowie die Entwicklung eines eigenen Stils und eigener Prinzipien innerhalb der Gruppe. (📎 Erlebnis Fußball)
Fünf Jahre später knüpften die Erfordia Ultras mit ihrer Choreografie gegen Aue nun an diese Geschichte an.
Acht Minuten Unterbrechung gegen Erzgebirge Aue
Die Pyrotechnik zum 30. Geburtstag hatte auch Auswirkungen auf das Regionalliga-Spiel. Nach Angaben des MDR unterbrach Schiedsrichter Florian Tennes die Partie in der zweiten Halbzeit für acht Minuten und schickte beide Mannschaften zwischenzeitlich in die Kabinen. Auch im Gästeblock der mehr als 2.000 mitgereisten Aue-Fans stieg violetter Rauch auf. (📎 MDR Sport im Osten)

Sportlich bot die Partie vor mehr als 13.000 Zuschauern ebenfalls einiges. Erfurt ging zweimal in Führung, Aue glich zweimal aus. Nachdem Dustin Forkel in der 89. Minute das 2:1 erzielt hatte, traf Willi Kamm erst in der elften Minute der Nachspielzeit zum 2:2-Endstand. Rot-Weiß Erfurt blieb damit Tabellenführer der Regionalliga Nordost. (📎 FC Erzgebirge Aue)
Das prägende Bild des Nachmittags lieferte jedoch die Steigerwaldkurve: Drei Jahrzehnte nach der Gründung blickten die Erfordia Ultras mit ihrer Jubiläumschoreografie auf die eigene Geschichte seit 1996 zurück.




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