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Nach mehr als 35 Jahren: Ultras und aktive Fanszene des SV Babelsberg 03 verlassen die Nordkurve

vor 5 Tagen
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Nordkurve Babelsberg
Der Standort Nordkurve Babelsberg ist bald Geschichte. Foto: @next.geier.kurvenfeuer

Nach mehr als 35 Jahren steht eine der markantesten Veränderungen innerhalb der Babelsberger Fanszene bevor. Die sieben aktiven Gruppen der Nordkurve – Filmstadt Inferno 99, Underdogs Babelsberg, Connection 144, Bricconi, Chicos, Filmstadt Youth und Commando Jugend – verlassen gemeinsam ihren langjährigen Standort im Block M des Karl-Liebknecht-Stadions und ziehen in den Ostblock.


Das haben die Gruppen inzwischen in einer gemeinsamen Erklärung bestätigt. Ab dem Heimspiel gegen Lokomotive Leipzig am 11. Oktober soll der überdachte Ostblock zum neuen gemeinsamen Standort werden. Damit endet nicht nur eine lange Geschichte der Fans und Ultras von Babelsberg 03 an ihrem bisherigen Platz. Auch eine der außergewöhnlichsten Blockkonstellationen im deutschen Fußball verschwindet: Denn Nordkurve und Gästeblock liegen unmittelbar nebeneinander.


Ultras Babelsberg: Fanszene verabschiedet sich aus der Nordkurve


In ihrer gemeinsamen Erklärung bezeichnen die sieben Gruppen die Nordkurve als seit mehr als 35 Jahren bestehende „Heimat und das Zentrum der aktiven Unterstützung“ von Babelsberg 03. Der Abschied erfolge „mit einem weinenden und einem freudigen Auge“. Zugleich blicken die Gruppen nach eigener Aussage „voller Zuversicht und Eifer in die Zukunft“, die von „Mentalität und Zusammenhalt“ geprägt sein solle. Für den 17. September um 19 Uhr laden sie in den Fanladen ein, um offene Fragen zum Umzug zu besprechen.


Nach Angaben der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ soll die Nordkurve beim Heimspiel gegen den BFC Preussen am 25. September ein letztes Mal als gemeinsamer Standort genutzt werden. Anschließend zieht die organisierte Szene in Block O auf der Ostseite des KarLi. In ihrer Ankündigung sprechen die Gruppen von einer „einmaligen Chance“, dort langfristig eine gemeinsame Kurve aufzubauen. Frühere Konflikte innerhalb der Fanszene seien beigelegt.



Die Nordkurve ist weit mehr als ein bisheriger Stimmungsblock. Sie gehört seit Jahrzehnten zur Identität der Babelsberger Fanszene und wurde zu einem wichtigen Ort ihrer ausdrücklich antifaschistischen Fankultur. Mit dem Filmstadt Inferno 1999 entwickelte sich dort auch eine bis heute prägende Ultràstruktur.


Gleichzeitig existierte mit dem Ostblock bereits ein zweites Stimmungszentrum im KarLi. Das Verhältnis verschiedener Teile der aktiven Szene war dabei nicht immer konfliktfrei. Wie tief die Trennung zeitweise ging, zeigt die Entwicklung des Filmstadtinfernos: Die Gruppe verließ selbst die Nordkurve und wechselte in den Ostblock.


Im März 2019 folgte die Kehrtwende. FI99 kündigte an, wieder in die Nordkurve zurückzukehren. Hintergrund war der Versuch, die aktive Fanszene wieder an einem gemeinsamen Standort zusammenzuführen. (🔗 Faszination Fankurve)


Sieben Jahre später nimmt die Geschichte nun die entgegengesetzte Richtung. Die Ultras Babelsberg und weitere Teile der Fanszene ziehen von Nordkurve in den Ostblock, wo das neue Stimmungszentrum entstehen soll.


Der Umzug ist deshalb auch vor dem Hintergrund der früheren Konflikte bemerkenswert. Nach Angaben der aktuellen gemeinsamen Ankündigung seien diese inzwischen beigelegt. Wo 2019 die Rückkehr in die Nordkurve zur Zusammenführung beitragen sollte, soll 2026 nun der gemeinsame Wechsel in den Ostblock einen neuen Abschnitt der Babelsberger Fanszene einleiten.


Ostblock Babelsberg
Künftige Fankurve der Fanszene des SVB. Foto: @next.geier.kurvenfeuer

Nordkurve und Gästeblock: Eine außergewöhnliche Nähe verschwindet


Für Besucher des Karl-Liebknecht-Stadions verändert sich mit dem Umzug noch etwas anderes. Die Nordkurve liegt im KarLi unmittelbar am Gästebereich. Der SV Babelsberg 03 weist für Gästefans heute Block J mit 1.577 Stehplätzen sowie Block I mit 200 Sitzplätzen aus. (📎 SV Babelsberg 03 – Informationen für Gästefans)


Damit treffen Heim- und Gästeszene bislang in ungewöhnlicher räumlicher Nähe aufeinander. Gesänge, Gesten, Spruchbänder und Provokationen erreichen die jeweils andere Seite unmittelbar. Gerade bei Spielen gegen rivalisierende oder verfeindete Fanszenen gehörte diese Konstellation über Jahre zur besonderen Brisanz des KarLi.


Ostblock statt Nordkurve verändert das KarLi


Mit dem Wechsel in Block O wird diese unmittelbare Nachbarschaft Geschichte. Die organisierte Babelsberger Fanszene zieht auf die Ostseite und steht dem Gästebereich künftig wesentlich stärker räumlich getrennt gegenüber.


Der Umzug verändert damit nicht nur den Standort der Stimmung im Karl-Liebknecht-Stadion. Er verändert auch Blickachsen, Akustik und die direkte Interaktion zwischen Heim- und Gästekurve. Gerade bei Duellen mit verfeindeten Fanszenen dürfte sich das bemerkbar machen.


Karl-Liebknecht-Stadion Babelsberg
Das Karl-Liebknecht-Stadion. Foto: @next.geier.kurvenfeuer

Für Babelsberg beginnt gleichzeitig ein neues Kapitel. Frühere unterschiedliche Stimmungszentren sollen zusammengeführt werden, während die aktive Fanszene einen Standort aufgibt, der sie mehr als dreieinhalb Jahrzehnte geprägt hat. Das Heimspiel gegen BFC Preussen wird nach der aktuellen Planung zum Abschied von der Nordkurve. Ausgerechnet beim anschließenden Heimspiel gegen Lok Leipzig soll am 11. Oktober erstmals gemeinsam aus dem Ostblock unterstützt werden.


Geschrieben: 13.09.2026

Update: 14.09.2ß26

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