Hüpfverbot in der Ostkurve VfL Bochum: Bei Verstößen droht sogar Spielabbruch

In der Ostkurve des VfL Bochum darf ab sofort nicht mehr gemeinsam rhythmisch gehüpft werden. Eine behördliche Anordnung soll starke Schwingungen der Stehplatztribüne verhindern. Bei Verstößen drohen nicht nur eine vollständige Sperrung der Ostkurve, sondern unter bestimmten Umständen sogar ein Spielabbruch. Die Einschränkung könnte bis 2028 bestehen bleiben.
Erstmals gilt das Hüpfverbot beim Zweitliga-Heimspiel des VfL Bochum gegen Arminia Bielefeld am Sonntag (11. Oktober). Betroffen sind die Stehplatzblöcke N2, O, P und Q im Ruhrstadion. Die Bochumer Bauaufsichtsbehörde hat die Einschränkung per Ordnungsverfügung angeordnet, nachdem im Zusammenhang mit der geplanten Stadionmodernisierung ein Ingenieurgutachten erstellt worden war. (📎 VfL Bochum)
Demnach können synchronisierte Bewegungen zahlreicher Zuschauer einen sogenannten Trampolineffekt auslösen. Die Tribünenkonstruktion gerät dabei in Schwingung, was bei Besuchern Unwohlsein hervorrufen kann. Eine Einsturzgefahr besteht laut den Verantwortlichen nicht. Die Tragfähigkeit der Osttribüne sei weiterhin gegeben. Der gewöhnliche Torjubel bleibt ausdrücklich erlaubt. Untersagt ist das gemeinschaftliche, rhythmische Springen, das in Fankurven zum organisierten Support gehört. Die Ostkurve darf zunächst weiterhin vollständig genutzt werden.
Bei Verstößen gegen Hüpfverbot droht ein Spielabbruch
Die Umsetzung der Verfügung liegt beim VfL Bochum. Der Verein muss sicherstellen, dass das gemeinsame Hüpfen unterbleibt. Gelingt dies nicht, droht im äußersten Fall eine vollständige Sperrung der Ostkurve. Davon wären bis zu 10.000 Zuschauer betroffen. Nach Informationen des WDR soll bei Verstößen zudem ein dreistufiges Verfahren greifen. Zunächst würden die Fans per Stadiondurchsage aufgefordert, das Hüpfen einzustellen. Bei fortgesetzten Verstößen könnten die Mannschaften vorübergehend in die Kabinen geschickt werden. Sollte auch danach weitergehüpft werden, steht ein Spielabbruch als letzte Konsequenz im Raum. (📎 WDR)
Wie die Kontrolle des Hüpfverbots im Stadion konkret erfolgen soll, ist bislang nicht abschließend öffentlich erläutert. Der VfL kündigte an, vor dem Heimspiel gegen Bielefeld über Maßnahmen und mögliche Konsequenzen zu informieren.
VfL Bochum Fans reagieren mit Unverständnis auf Hüpfverbot
Die Entscheidung stößt bei Teilen der Bochumer Anhängerschaft auf Kritik. Gegenüber dem WDR bezeichneten Fans das Verbot unter anderem als unsinnig. Ein befragter VfL-Anhänger erklärte, dass gemeinsames Hüpfen für ihn zum Stadionerlebnis und zum Ausdruck von Emotionen gehöre. Andere Zuschauer äußerten dagegen Verständnis für die Maßnahme angesichts der technischen Untersuchung. Der VfL Bochum erklärte gegenüber dem WDR, mit den Fangruppierungen in intensivem Austausch zu stehen. Eine eigenständige öffentliche Stellungnahme der Ultras Bochum 1999 zum Hüpfverbot liegt bislang nicht vor. (📎 WDR)

Magdeburg musste bereits jahrelang aufs Hüpfen verzichten
Ein vergleichbares Verbot gab es bereits 2016 beim 1. FC Magdeburg. Dort hatten Messungen während eines Heimspiels gegen Hansa Rostock erhebliche Schwingungen der Nordtribüne ergeben. Diese überschritten laut damaligen Untersuchungen eine sogenannte Panikgrenze, bei der Menschen aufgrund wahrgenommener Bewegungen ein Gefühl von Gefahr entwickeln können.
Auch in Magdeburg wurde gemeinsames rhythmisches Hüpfen zeitweise untersagt. Erst nach baulichen Verstärkungen konnte das Verbot 2019 wieder aufgehoben werden. Nach Angaben des WDR tauschten sich die für Bochum zuständigen Ingenieure vor der Entscheidung mit ihren Magdeburger Kollegen aus. (📎 WDR)
Einschränkung könnte bis 2028 bestehen bleiben
Für die Bochumer Ostkurve zeichnet sich eine längerfristige Einschränkung ab. Erst mit Abschluss der geplanten Sanierungsarbeiten im Jahr 2028 soll das Hüpfverbot nach derzeitigem Stand aufgehoben werden.
Damit steht die aktive Bochumer Fanszene vor einer ungewöhnlichen Situation: Während Gesänge, Fahnen und andere Formen des Supports weiterhin möglich sind, bleibt das gemeinsame rhythmische Springen als Bestandteil des Tifos vorerst untersagt.




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