Fanszenen Deutschlands fordern 50+1: „Keine Kompromisse mit VW, Bayer und RB“

Die Fanszenen Deutschlands erhöhen den Druck auf die Bundesliga. In einer neuen Stellungnahme vom 30. Oktober fordern sie die konsequente Umsetzung der 50+1-Regel und ein Ende sämtlicher Ausnahmen. Besonders Volkswagen, Bayer und Red Bull stehen im Fokus. Auch an die Vereine und den Deutschen Fußball-Bund richten die Fanszenen konkrete Forderungen.
Fanszenen Deutschlands verlangen Umsetzung der Kartellamt-Empfehlungen und 50+1
Mit einer neuen gemeinsamen Stellungnahme haben sich die Fanszenen Deutschlands zur Zukunft der 50+1-Regel positioniert. Unter dem Titel „Keine Kompromisse mit VW, Bayer und RB – 50+1 durchsetzen!“ fordern sie die Vereine und Verbände auf, die Empfehlungen des Bundeskartellamts schnellstmöglich umzusetzen.
Hintergrund ist die abschließende Bewertung der Wettbewerbsbehörde vom 12. August 2026. Das Bundeskartellamt hatte die 50+1-Regel grundsätzlich für kartellrechtlich zulässig erklärt, zugleich aber Änderungen bei ihrer Anwendung angemahnt.
Die Regel soll sicherstellen, dass die eingetragenen Muttervereine und damit mittelbar ihre Mitglieder die Stimmenmehrheit in den ausgegliederten Fußballgesellschaften behalten. Das Bundeskartellamt sieht insbesondere bei den bisherigen Ausnahmen und der Offenheit einzelner Vereine für neue Mitglieder Anpassungsbedarf.
Die Fanszenen bewerten die Entscheidung als Grundlage für einen mitgliederbestimmten Profifußball. Ihre Forderung lautet, die vom Bundeskartellamt aufgezeigten Probleme ohne weitere Verzögerungen zu beheben.
Keine Ausnahmen für Wolfsburg und Leverkusen
Im Mittelpunkt der Stellungnahme stehen die bisherigen Ausnahmeregelungen für den VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen sowie die besonderen Mitgliederstrukturen bei RB Leipzig.
Wolfsburg und Leverkusen verfügen aufgrund der langjährigen Förderung durch Volkswagen beziehungsweise Bayer über Ausnahmen von der 50+1-Regel. Das Bundeskartellamt hatte in seiner abschließenden Bewertung festgestellt, dass die bisher vorgeschlagenen Bestandsschutzregelungen nicht ausreichen, um eine einheitliche Anwendung der Regel sicherzustellen.
Bei RB Leipzig steht insbesondere die Offenheit des eingetragenen Vereins für neue Mitglieder im Mittelpunkt der kartellrechtlichen Bewertung. Die Fanszenen lehnen weitere Sonderregelungen und Umgehungsmöglichkeiten ab. In ihrer Stellungnahme heißt es:
„Es gibt kein Raum für faule Kompromisse mit VW, Bayer und Red Bull.“
Die Forderung richtet sich damit gegen Lösungen, die nach Auffassung der Fanszenen die bestehenden Unterschiede zwischen den Vereinen fortschreiben würden.
Offene Abstimmung im Dezember gefordert
Ein weiterer Schwerpunkt ist die bevorstehende Mitgliederversammlung des Bundesliga e.V. im Dezember 2026.
Die Fanszenen verlangen von den Vereinen der Bundesliga und 2. Bundesliga, sich bereits im Vorfeld eindeutig zur 50+1-Regel zu bekennen. Ein solches Bekenntnis müsse nach ihrer Auffassung mit dem Ende der bisherigen Ausnahmen und Umgehungsversuche verbunden sein.
Zudem fordern sie Beschlüsse, die sicherstellen, dass die Grundsätze von 50+1 auch bei Abstimmungen innerhalb des Ligaverbands berücksichtigt werden. Die Abstimmung im Dezember soll nach ihrem Willen offen erfolgen.
Damit greifen die Fanszenen einen weiteren Kritikpunkt des Bundeskartellamts auf. Die Behörde hatte beanstandet, dass die Organisationsregeln des Ligaverbands nicht ausreichend gewährleisten, dass die Stimmabgabe von Clubvertretern den Vorgaben ihrer Muttervereine entspricht.
Bundesliga-Präsidium setzt auf Verhandlungen bis 2027
Das Präsidium des Bundesliga e.V. hatte sich bereits am 6. Oktober erneut zur 50+1-Regel bekannt. Auf der Mitgliederversammlung im Dezember soll dieses Grundsatzbekenntnis durch die 36 Vereine bestätigt werden.
Bei der konkreten Umsetzung verfolgt das Präsidium allerdings einen längeren Zeitplan. Im ersten Halbjahr 2027 sollen Vorschläge für eine einheitliche Anwendung der Regel vorgelegt werden.
Dabei setzt das Gremium auf eine einvernehmliche Lösung innerhalb des Ligaverbands. Nach Darstellung des Präsidiums sollen damit langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen vermieden und die Rechtssicherheit der Regel gestärkt werden. Die Fanszenen fordern dagegen eine möglichst schnelle Umsetzung und lehnen Kompromisse mit den betroffenen Konzernen ausdrücklich ab.
Fanszenen nehmen auch den DFB in die Pflicht
Neben den Bundesliga-Vereinen richten die Fanszenen ihre Forderungen an den Deutschen Fußball-Bund. Der DFB müsse sich nach ihrer Auffassung stärker in die Debatte einbringen und eindeutig zum mitgliederbestimmten Fußball bekennen.
In der Stellungnahme kritisieren sie, dass der Verband bei einer grundlegenden Frage zur Zukunft des deutschen Fußballs bislang nicht ausreichend Position bezogen habe.
Gefordert wird ein klares Bekenntnis zu einem Fußball, in dem die Vereine und ihre Mitglieder maßgeblichen Einfluss behalten.
Deutliche Worte an Volkswagen, Bayer und Red Bull
Zum Abschluss der Stellungnahme wenden sich die Fanszenen unmittelbar an die betroffenen Konzerne.
Hintergrund sind mögliche juristische Schritte gegen Veränderungen an den bisherigen Ausnahmeregelungen. Volkswagen hatte sich nach der Entscheidung des Bundeskartellamts vorbehalten, die Interessen seiner Aktionäre mit geeigneten Maßnahmen zu schützen. Bayer Leverkusen hatte sich für eine Lösung ausgesprochen, die auch den historisch gewachsenen Strukturen Rechnung trägt.
Die Fanszenen warnen die Unternehmen in ihrer Stellungnahme davor, sich durch rechtliche Auseinandersetzungen gegen eine konsequente Umsetzung von 50+1 zu stellen.
Ihre abschließenden Worte lauten:
„Überlegt euch gut, ob ihr zum Feindbild von Fußballdeutschland werden wollt. Mit uns ist nicht zu spaßen.“
Entscheidung über die Zukunft von 50+1 steht bevor
Mit ihrer Stellungnahme richten die Fanszenen Deutschlands den Blick auf die Mitgliederversammlung des Bundesliga e.V. im Dezember.
Während das Bundesliga-Präsidium zunächst ein erneutes Grundsatzbekenntnis der Vereine einholen und anschließend bis zum ersten Halbjahr 2027 konkrete Umsetzungsvorschläge erarbeiten will, verlangen die Fanszenen bereits jetzt verbindliche Entscheidungen.
Im Mittelpunkt stehen das Ende der bisherigen Ausnahmen für Wolfsburg und Leverkusen, die Mitgliederstrukturen bei RB Leipzig und die Einhaltung der 50+1-Grundsätze bei Abstimmungen des Ligaverbands.




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